Grundsatz 3 von 11

Eliminationsziele werden übersetzt, nicht abgelehnt

Die Übersetzung würdigt das Anliegen. Kein Patient bringt ein falsches Ziel – er bringt ein noch nicht erreichbar formuliertes.

Patienten bringen ihr Anliegen fast immer als Eliminationsziel: Etwas soll weg, aufhören, verschwinden. Das ist kein Fehler und kein Widerstand, sondern die natürliche Sprache des Leidens. Wer leidet, will das Leiden loswerden, bevor er sagen kann, was er stattdessen möchte. Die Aufgabe des Behandlers ist deshalb nicht, das Eliminationsziel zurückzuweisen, sondern es zu übersetzen.

Ablehnung und Übersetzung führen zu entgegengesetzten Beziehungen. Wer sagt „so können wir das Ziel nicht formulieren“, korrigiert den Patienten und stellt ihn ins Unrecht. Wer fragt „und wenn das weg wäre – was wäre dann da?“, nimmt das Anliegen ernst und arbeitet mit ihm weiter. Die Übersetzung würdigt, was der Patient will, und gibt ihm zugleich eine Form, mit der ein Nervensystem etwas anfangen kann.

Die Übersetzung folgt einem einfachen Schritt: Hinter jedem Weg-von steht ein Hin-zu. „Die Schlaflosigkeit soll aufhören“ enthält den Wunsch nach erholtem Aufwachen. „Die Streits sollen aufhören“ enthält den Wunsch nach verlässlicher Nähe. Sie machen dieses Hin-zu sichtbar, ohne das ursprüngliche Anliegen zu verlassen. Der Patient erkennt sein Ziel wieder – nur jetzt in erreichbarer Gestalt.

Wichtig ist, dass die Übersetzung ein gemeinsamer Akt bleibt. Sie schlagen eine Formulierung vor und prüfen mit dem Patienten, ob sie trifft. Erst wenn er zustimmt, ist das Ziel übersetzt. Ein über den Kopf des Patienten hinweg umformuliertes Ziel ist kein Annäherungsziel, sondern ein fremdes Ziel.

Viele Behandler arbeiten längst so – das System bildet es nur nicht ab. Das Antragswesen kennt die Elimination als Behandlungsanlass, aber es kennt keinen Ort für die Übersetzung, die aus ihr ein erreichbares Ziel macht.

Begründung

Quellenlinie: Aaron Antonovsky, Salutogenese, und Klaus Grawe, Neuropsychotherapie (2004) – das Anliegen des Patienten wird ressourcenorientiert aufgegriffen und in ein Annäherungsziel überführt, statt es als Defizit zu verwalten.

Praxisbeispiel

Ingenieur, 51

Ein Ingenieur, 51, will „endlich nicht mehr an die Trennung denken“. Statt ihm zu erklären, dass Gedankenunterdrückung nicht funktioniert, fragt der Behandler, was er täte, wenn der Kopf frei wäre. Er würde abends wieder an seinem alten Projekt bauen. Das wird das Ziel – und das Grübeln verliert an Boden, weil die Aufmerksamkeit einen neuen Ort bekommt.

Weiterführung

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